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Ritual

Ritual

Meine Arbeit „Ritual“ wirft einen Blick auf Rituale, die den Alltag unserer Gesellschaft täglich prägen, ohne sie jedoch direkt abzubilden. Vielmehr beschäftigt sie sich mit den Spuren, die diese Rituale in uns und unserer Umgebung hinterlassen. Tag für Tag, Woche für Woche oder einmal im Jahr – über viele Generationen und Jahrhunderte hinweg. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie einen religiösen oder nicht-religiösen Hintergrund haben. Wenn das Ritual bgeangen ist und die Menschen das Geschehen verlassen, bleiben nur ihre Spuren zurück. Über die Jahre prägen diese Rituale unseren Alltag und unsere Umwelt. Alles um uns herum könnte durch diese Rituale entstanden oder verändert worden sein. So entstand die Idee von der These, die Welt als zufälliges Ergebnis aus einer Menge von Ritualen zu sehen. Von Mal zu Mal tragen sie eine Kleinigkeit dazu bei, eine größere Spur zu hinterlassen, die bis über den Tod der Menschen hinaus präsent bleibt.

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Klappen. Türen. Fenster.

Klappen. Türen. Fenster.

Sie liegen abgelegen, verwinkelt und getarnt, aber auch mittendrin im Geschehen, im flüchtigen Blick des alltäglichen Trubels: sogenannte „Babyklappen“. Eine fotografische Reise durch NRW zeigt 25 der kontrovers diskutierten Einrichtungen zur anonymen Kindesabgabe aus architektonischer Sicht.

In ihrer Bezeichnung, ihrer Funktionsweise und ihrem Aussehen sind sie teilweise sehr unterschiedlich, doch eines haben sie alle gemeinsam: hier trennen sich die Leben von Müttern und Kindern, verwischen sich die Spuren von Kindheiten, spielen sich persönliche Tragödien ab – und zerreißt es die Gesellschaft in Diskussionen um Recht, Moral und Gewissen.
Formen der Babyklappe gibt es, den meisten eher unbekannt, bereits seit dem frühen Mittelalter in vielen Ländern Europas. Damals wie heute stand hier die Absicht im Vordergrund, der illegalen Aussetzung oder Tötung von Neugeborenen (Neonatizid) entgegen zu wirken. Die mittelalterlichen „Drehladen“ verschwanden bis in das 20. Jahrhundert gänzlich, doch seit dem Jahr 2000 bis heute gibt es in Deutschland wieder um die 100 moderner Babyklappen -fenster oder -türen. Diese Einrichtungen sind eine von drei Möglichkeiten der anonymen Kindesabgabe in der BRD, neben der anonymen Geburt im Krankenhaus und der anonymen Kindesübergabe. Die Identität der Mutter bleibt in allen dieser Verfahrensweisen auf Wunsch gänzlich unbekannt, das Neugeborene wird medizinisch versorgt und in Kurzzeitpflege gegeben. Für mindestens acht Wochen hat die Mutter die Möglichkeit, ihre Anonymität aufzugeben und das Kind unter Zuhilfenahme von Beratungsstellen und des Jugendamtes zurückzunehmen. Geschieht dies nicht, kommt das Kind in Langzeitpflege oder in eine Adoptionsfamilie.

Seit Aufbau der ersten Babyklappen werden die Einrichtungen diskutiert und kritisiert. Dabei keimen nicht nur emotionale Reaktionen und moralische Bedenken auf, sondern auch juristische Ungereimtheiten und statistische Erhebungen schlagen Wellen in der Öffentlichkeit. Dies war der Grund einer vom Bundesamt für Familie in Auftrag gegebenen Studie (2011), die Angebote zu untersuchen und auszuwerten. Kritisiert werden darin das Fehlen einer eindeutigen juristischen Grundlage, einheitlicher Standards, staatlicher Kontrollinstanzen zur Überwachung und Dokumentation sowie mangelhafte Vernetzung und Kommunikation zwischen den Ämtern und den Trägern. Laut Auswertungen des Kinderhilfswerks terre des hommes sind zudem die Fallzahlen illegal ausgesetzter oder getöteter Neugeborener seit Eröffnung der Babyklappen nicht zurückgegangen, womit ihr ursprüngliches Ziel nicht erreicht wurde. Kinderrechtler verweisen außerdem auf das Recht zur Kenntnis über die eigene Abstammung und Herkunft eines jeden im Verfassungsrecht.

Familienministerin Kristina Schröder fordert in einem Gesetzesentwurf die Einführung der sogenannten „vertraulichen Geburt“, bei der personenbezogene Daten gespeichert werden und dem Geborenen nach 16 Jahren behördlich ausgehändigt werden dürfen. Diese würde die anonyme Geburt ablösen, die Zukunft der Babyklappen jedoch ist ungewiss. Das Familienministerium möchte die Abgabe in einer Klappe „in Ausnahmefällen“ weiterhin ermöglichen, doch dies lässt sich mit dem geplanten Gesetz zur vertraulichen Geburt schwerlich vereinbaren. Unter Kritikern gilt die vertrauliche Geburt zudem nicht als geeignete Alternative für viele Frauen in Not.

Mario Wallenfang hat sich fotografisch auf die Suche nach diesen umstrittenen Orten gemacht, in dem mit 25 Einrichtungen klappenreichsten Bundesland der BRD, Nordrhein-Westfalen. Auf den ersten Blick erscheinen sie wie eine wahllose Sammlung banaler Architektur: Hinterhöfe, Krankenhäuser, eine Villa, eine Garage, das Ein-Familienhaus. Die Kamera wahrt Distanz, schafft klare Linien und wertet nicht. Auf den zweiten Blick bekommen die Bilder jedoch eine beklemmende Gemeinsamkeit. Nämlich dann, wenn der Betrachter erkennt, dass sich in jeder der unscheinbaren Fassaden ein Fenster oder eine Tür befindet, hinter der sich eine Babyklappe versteckt. Die Orte lüften ihr Geheimnis, der Betrachter ist nun kein Passant mehr, sondern Eingeweihter. Er kann nun weitergehen, wegsehen oder die Augen verschließen. Oder aber er stellt sich der Frage, welche Not eine Frau erleiden muss, ihr Kind hier abgeben zu wollen.

 

Das komplette Buch gibt es >hier< zu sehen.

 

Auszeichnungen/Ausstellungen:

„Unterwelten. Die andere Sicht der Dinge“ (LWL-Industriemuseum, Ziegelei Lage, Ausstellung vom 6.4. bis 28.9.2014)

 

Pubikationen:

„Klappen. Fenster. Türen.“ von Mario Wallenfang. >Hier bestellen<

„Unterwelten. Die andere Sicht der Dinge“, Katalog zur Ausstellung. ISBN: 9783837512083; >hier bestellen<

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